2015/16: Eine Bodenlose Frechheit

Ab dem Projektjahr 2015 stellten wir den Zeitplan des „Sukuma Award“ um und weiteten den Kampagnenzeitraum auf 1,5 Jahre aus. Wir sammelten bis Ende November 2015 bei vielen Flyer- und Standaktionen (unter anderem bei der Ökofete in Leipzig, dem Nachhaltigkeitsmarkt auf Schloss Rochsburg bei Chemnitz und beim Umsonst-und-Draußen-Festival in Dresden) Ideen und machten die Menschen häufig zum ersten Mal auf die wichtige Bedeutung fruchtbarer Böden aufmerksam. Gefreut haben wir uns über spannende und gut besuchte Infoveranstaltungen, die den Boden facettenreich und eindrücklich zur Geltung brachten. In Chemnitz machten wir eine Führung durch den Permakulturgarten der NATUC und schauten im Klub der Kulturen die Dokumentation „DIRT“. In Leipzig präsentierten wir im Rahmen der globaLE den Film „Natur – Spekulationsobjekt mit Zukunft“ mit dem Referenten Jens Günther vom Umweltbundesamt Dessau und in Dresden gestalteten wir die Abschlussveranstaltung des UMUNDU-Festivals mit dem Theaterstück „Der Regenwurm. König von Edaphonien“ der fantastischen Barbara Geiger aka Fräulein Brehms Tierleben. Bei unseren Veranstaltungen und Aktionen konnten wir ca. 800 Menschen persönlich sensibilisieren, sich mit der Boden-Thematik auseinanderzusetzen. Über die Medienberichte wurden darüber hinaus noch sehr viele mehr erreicht, so dass uns letztendlich 95 Film-Ideen sächsischer BürgerInnen erreichten, von denen eine Jury (u.a. mit unserem Regisseur, dem ENS und einer Vertreterin der Filmnächte am Elbufer) die drei Siegerideen kürte, die im Mai 2016 verfilmt wurden.

Hier präsentieren wir die Sieger:

Boden-Dreh-Bild_Dresden

Siegeridee Dresden (von Georg Schubert): Es wurde geschluchzt, geweint und getrauert. Und dennoch war nicht alles so wie es schien. Am 10.05.2016 wurde auf dem Neuen Annenfriedhof in Dresden Löbtau Abschied genommen; auf ungewöhnliche Art und Weise: Die Schauspielerin Annedore Bauer, in der Kleidung einer Pastorin, spricht zu einer in schwarz gekleideten Trauergemeinde. Statt Erde und Blumen, landen ein Benzinkanister, Autoreifen und ein Ölfass im Grab. Auf dem Spruchband eines Kranzes ist zu lesen: „Hier ruht unser Boden. Du hast uns getragen.“ Thematisiert wird in diesem Spot der Verlust fruchtbarer Böden durch unseren sorglosen Umgang mit ihm, u.a. indem wir ihm unseren Müll einschließlich giftiger und nicht abbaubarer Stoffe zuführen.
Mit dem Song „Desaster“ der Band Banda Comunale haben wir eine sehr passende Begleitung unserer Spot-Intention gefunden. Banda Comunale haben 2015 den Sächsischen Förderpreis für Demokratie und 2016 den Sächsischen Preis für Soziokulturelles Engagement gewonnen und wurden mit ihrem Projekt Banda Internationale für den „Preis der Staatsministerin für Kultur und Medien für Projekte zur kulturellen Teilhabe von geflüchteten Menschen“ nominiert. Premiere feierte der Spot am 04.07.2016 bei den Filmnächten am Elbufer in Dresden.

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Siegeridee Leipzig (von Konrad Neuffer): Eine alte Fabrikruine in Leipzig. Finstere Gestalten, die Kapuzen ihrer Hoodies weit ins Gesicht gezogen, dealen mit heißer Ware. Eine schick gekleidete Frau betritt die Szenerie. Was sucht sie in dieser zwielichtigen Gegend? Eine Antwort auf diese Frage findet Ihr im Spot. Um den heiklen Deal auf die große Kinoleinwand zu bringen, schlüpften die Schauspieler Jonas Fürstenau, Annett Sawallisch (Schauspiel Leipzig) und Magnus Kappler in die Rollen des finsteren Dealers, der mutigen Gärtnerin und des besorgten Familienvaters.
Musikalische Unterstützung haben wir uns bei dem Leipziger DJ  map.ache mit seinem Song „rust (NYT 2015)“ geholt. Die Premiere des Spots fand am 13.08.2016 in Leipzig erstmals auf einer riesigen Bühne vor ca. 2.500 Menschen im Rahmen der Classic Open statt.

Boden-Dreh-Bild_Chemnitz

Siegeridee Chemnitz (von Andreas Eisold): Schnelle, geübte Handgriffe. Die Schauspieler Rania el-Chanati und Michael Paul Milow, Lennart Happe und Anton Hoffmann werfen sich schnell die Rettungssanitäterjacken über. Blaulicht. Quietschende Reifen. Sanitäter im Einsatz. Eile ist geboten, denn der Patient befindet sich in einer kritischen Verfassung. Allerdings: Der Patient ist alles andere als gewöhnlich… Wer sich da in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet, erfahrt Ihr im Spot.
Für die Musik haben wir uns gleich von zwei Künstlern unterstützen lassen: Dysfunction_AL mit dem Song „Funk Interlude“ und Karstenholymoly mit dem Lied „The Thunderstorm“. Denn für die Dramaturgie dieses besonderen Spots war eine wirksame musikalische Untermalung sehr, sehr wichtig. Erstmalig auf großer Kinoleinwand zu sehen war der Spot am 13.08.2016 bei den Filmnächten Chemnitz.

Filmdreh

Die Ideen wurden durch den Potsdamer Regisseur Thomas Frick und ravir film GbR sowie mit der Hilfe vieler freiwilliger Engagierter professionell verfilmt. In jeder Projektstadt hatten wir nach einem Vorbereitungstag gemeinsam mit dem Regisseur und den Ravirs einen intensiven Drehtag mit zahlreichen Beteiligten. Mit all den fleißigen HelferInnen haben wir in kürzester Zeit unheimlich viele Ressourcen bewegt und Requisiten, Drehmaterial und Drehorte aufgetan, transportiert, gestaltet und eingesetzt. Beispielhaft war die „Karriere“ unseres Praktikanten: War er beim ersten Filmdreh noch Crew-Mitglied, das Elektroschrott im Erdhaufen auf dem Friedhof eingrub, hat er im zweiten Spot bereits eine Statisten-Rolle als Dealer ergattert, auf die er sich durch Packen authentischer Drogenpakete intensiv vorbereiten durfte. Beim dritten Film-Dreh-Workshop war er dann schon einer der Hauptdarsteller, also ein SOILitäter mit eigener Sprechrolle.

Und was kannst Du tun?

Iss bio, um den ökologischen Landbau zu fördern, der Bodenorganismen stärkt und die Bodenfruchtbarkeit langfristig verbessert

Iss weniger Fleisch und tierische Produkte, da der Anbau von Futtermitteln für die Nutzhaltung von Tieren mit dem Anbau von Nahrungsmitteln konkurriert!

Konsumiere regionale und saisonale Produkte, da unser persönlicher „virtueller Landverbrauch“ durch den Import von Bedarfsgütern um ein Vielfaches steigt!

Verschwende nichts! Aktuell wirft jeder Deutsche jährlich 82 kg Lebensmittel in den Müll, für deren Herstellung Flächen und Ressourcen benötigt wurden.

Baue keine neuen Häuser und Straßen auf Naturflächen, um keinen weiteren Boden zu versiegeln!

Nutze Stadtbrachen und Hinterhöfe als Gärten und Felder! Z.B. in den Gemeinschaftsgärten beim Gartennetzwerk Dresden, Gärten Leipzig, Urbane Gärten Chemnitz. Außerdem kannst Du Dich beim Grünlandprojekt um die Vielfalt der Chemnitzer Stadtwiesen bemühen.

Danksagung

Unser Dank gilt den fast 100 IdeengeberInnen, die sich mit Witz und Kreativität am „Sukuma Award 2015/16“ beteiligt haben. Besonders dankbar sind wir natürlich den vielen fleißigen, engagierten Ehrenamtlichen und allen UnterstützerInnen, wie den VeranstaltungsorganisatorInnen und den MedienvertreterInnen, die uns bei der Ausschreibung unterstützen.
Des weiteren wäre der „Sukuma Award“ ohne die inhaltliche und kooperative Zusammenarbeit mit unseren Partnern nicht umsetzbar. Darum herzlichen Dank an unsere Netzwerkpartner Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen, Germanwatch e.V., Inkota und Oxfam Deutschland, die uns als große Partnerorganisationen begleiten, sowie allen ReferentInnen unserer Infoveranstaltungen für ihre spannenden fachlichen Beiträge.
Ein wesentliches Ziel des „Sukuma Awards“ ist es, viele Menschen für Nachhaltigkeit und Globale Gerechtigkeit zu sensibilisieren. Ohne die Unterstützung von Kinos und Medienpartnern würde dies nicht funktionieren. Daher bedanken uns besonders bei den Filmnächten am Elbufer Dresden und den Filmnächten Chemnitz und erstmals bei den Classic Open in Leipzig und dem Palaissommer Dresden, den Kinos (vor allem Schauburg Dresden und CinemaxX) und den anderen deutschen Kinos für die Ausstrahlung unserer Kinospots. Danke auch an unsere Medienpartner: das DRESDNER Kulturmagazin, Dresden Fernsehen, die Hochschulzeitung ad rem, das Online-Magazin Neustadt-Ticker in Dresden, das Stadtmagazin 371, RadioT und Chemnitz Fernsehen in Chemnitz und das Stadtmagazin kreuzer sowie Radio Blau in Leipzig für die mediale Begleitung und an City Cards für die Verteilung unserer Bildungspostkarten.
Für die intensive Zeit der Filmdrehs geht unser Dank an alle SchauspielerInnen und unser bewährtes Drehteam Thomas Frick (Regie) und ravir film GbR (Produktion) und Sebastian Lohse (Sprecher). Es war aufregend und spannend, dabei hochprofessionell und immer angenehm, zusammen die Siegerideen zu realisieren. Ein großes Dankeschön auch den Unternehmen, die durch ihre Unterstützung die Dreharbeiten ermöglicht haben.
In den Projektstädten danken wir dazu im Einzelnen:
Dresden: Ideengeber: Georg Schubert, SchauspielerInnen: Annedore Bauer (Staatsschauspiel Dresden), Rosalie Neumeister (Agentur Fischers Fritzis-Kids), Roman Fielitz (Theatergruppe Spielbrett) und allen anderen DarstellerInnen u.a. von den Theatergruppen H.O. Theater und die bühne e.V. (TU Dresden), UnterstützerInnen: Verband der Annenfriedhöfe Dresden, Ev.- Luth. Kirchgemeinde Frieden und Hoffnung Dresden, Elite Friseur- und Kosmetik GmbH Dresden, A&B Floristik Alexandra Baitis und Brit Hickmann GbR, Die Blumenbinderei, Schrotthandel Hans Müller.
Leipzig: Ideengeber: Konrad Neuffer, SchauspielerInnen: Jonas Fürstenau und Annett Sawallisch (Schauspiel Leipzig), Magnus Kappler, UnterstützerInnen: Ökolöwe Umweltbund Leipzig e. V., globaLE globalisierungskritisches Filmfestival Leipzig, soziokulturelles Zentrum die naTo und Landesfilmdienst Sachsen in Leipzig, Maria Hartmann, Plagwitzer Immobiliengesellschaft mbH, Zoundhouse Dresden.
Chemnitz: Ideengeber: Andreas Eisold, SchauspielerInnen: Rania El-Chanati, Michael-Paul Milow, Lennart Happe, Anton Hoffmann, UnterstützerInnen: IZ WELT-Laden e.V., Umweltzentrum Chemnitz, Medi-time GmbH, Gewerbepark A4, Kohrmann Baumaschinen GmbH, eins energie in sachsen GmbH & Co. KG, DRK Dresden.