2016/17 Teilen, Tauschen, Selbermachen

Einkaufen am Earth-Overshoot-Day(Sukuma Award - Dresden 2016/17)

„Einkaufen am Earth-Overshoot-Day“ (Sukuma Award – Dresden 2016/17)

Auf großem Fuß (Sukuma Award – Chemnitz 2016/17)

„Auf großem Fuß“ (Sukuma Award – Chemnitz 2016/17)

Tischlein, teile Dich (Sukuma Award – Leipzig 2016/17)

„Tischlein, Teile Dich“ (Sukuma Award – Leipzig 2016/17)

Mit „Teilen, Tauschen, Selbermachen“ hatten wir ein sehr praktisches und lösungsorientiertes Fokusthema gewählt. Wir stellten damit eine Alltagshandlung in den Mittelpunkt unserer Öffentlichkeitsarbeit, die zum Ressourcenschonen beigeträgt. Vor unseren Recherchen war uns gar nicht bewusst, wie viele Orte und Initiativen es in Dresden, Chemnitz und Leipzig, aber auch bundesweit gibt, die sich in diesem Bereich engagieren. Bei den Menschen, mit denen wir bei unseren 15 Standaktionen und 5 Veranstaltungen ins Gespräch gekommen sind, stieß das Thema auf sehr großes Interesse. Beim Umsonst & Draußen Festival in Dresden ließen wir bspw. auf einer Stadtkarte per Klebepunkt bekannte Initiativen des Teilens, Tauschens, Selbermachens eintragen. Wir beteiligten uns auch am Fairen Weihnachtsmarkt (wo wir Pflänzchen gegen Ideen tauschten) und beim Winterschlussvertausch der TUUWI mit eigenen Standaktionen. Gefreut haben wir uns über reges Interesse an unseren Infoveranstaltungen. In Leipzig präsentierten wir im Rahmen der globaLE unser Filmpreiskonzept vor dem Film „Die Stadt als Beute“ und diskutierten mit über 100 Zuschauer*innen darüber, wem die Stadt gehört. In Dresden organisierten wir im Rahmen des UMUNDU-Festivals ein Fragenkarussell, bei dem sich lokale Initiativen des Teilens, Tauschens und Selbermachens vorstellen konnten. In Chemnitz veranstalteten wir im Weltecho erstmals einen „Poetry Slam“ in Form eines Themen-Slams mit Fokus auf Nachhaltigkeit, um das Thema mit kreativ-witzigen Wortbeiträgen in allen seinen Facetten zu beleuchten. Bei unseren Veranstaltungen und Aktionen konnten wir ca. 900 Menschen persönlich sensibilisieren und anregen, sich mit dem Thema Teilen auseinanderzusetzen. Besonders hervorheben möchten wir die Kooperation mit der Landeshauptstadt Dresden, die erstmalig unsere Ausschreibung mit der Verbreitung über ihre Kanäle unterstützte. Über zahlreiche Medienberichte und Facebook-Posts wurden darüber hinaus noch sehr viel mehr Menschen erreicht. Letztendlich wurden Film-Ideen von 116 sächsischen Bürger*innen eingereicht. Eine Jury, bestehend u. a. aus Mitgliedern des ENS, Dresden im Wandel und Vertreter*innen der Landeshauptstadt Dresden, kürten die drei Siegerideen, die im Frühjahr und Sommer 2017 verfilmt wurden.

Hier stellen wir die Sieger vor:

Einkaufen am Earth Overshoot Day – Siegeridee Dresden (von Henriette Boldt): Chaos, Sirenen, der beißende Geruch von Feuer liegt in der Luft. Eine aufgebrachte Menschenmenge demonstriert lautstark vor einem leergeräumten Lebensmittelgeschäft. „Was’n hier los?“ fragt sich auch Babette Kuschel, Hauptdarstellerin des Dresdner Siegerspots. Mit Unterstützung der Grüntal VerbraucherInnengemeinschaft verwandelten wir die Idee von Henriette Boldt am 14. Mai 2017 in bewegte Bilder. Zusammen mit den beiden weiteren Hauptdarstellern Andreas Jung und Dietmar Halbhuber, sowie vielen Freiwilligen wurde auf der Kamenzer Straße in der Dresdner Neustadt eine apokalyptische Stimmung erzeugt. Am Earth Overshoot Day sind alle für dieses Jahr zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebraucht und würde man das wortwörtlich nehmen, gäbe es nichts mehr zu kaufen. Dass es aber in der Realität prall gefüllte Supermarktregale gibt, liegt daran, dass wir ab diesem Tag wir auf Kosten der Länder im globalen Süden und der kommenden Generationen leben. Sehr passend läuft im Hintergrund der Song „Weltuntergang“ der Berliner Deutschpunk-Band Terrorgruppe. Premiere feierte der Spot am 01. Juli 2017 bei den Filmnächten am Elbufer, wo er anschließend eine Woche lang vor jedem Hauptfilm gezeigt wurde.

Auf großem Fuß – Siegeridee Chemnitz (von Denny Landgraf): Ein bizarres Bild: Beladen mit Unmengen an Einkaufstüten und Taucherflossen an den Füßen stakst ein Mann durch die Chemnitzer Innenstadt, reißt Kleiderständer und Ladendekorationen um, stolpert Rolltreppen hinunter und konsumiert ungeniert weiter. Sein Ende nimmt dieses aberwitzige Szenario im Operationssaal. Diagnose: Ökologischer Fußabdruck. Am 17. Mai 2017 drehten wir mit den beiden Schauspielern Felix Constantin Voigt und Michael-Paul Milow den diesjährigen Chemnitzer Siegerspot. Spannende Kulissen boten uns hierfür die Chemnitzer Innenstadt, die Zeisigwaldkliniken Bethanien Chemnitz sowie der Laden Kult-Design-Unikate. Kritisiert werden im Spot die Wegwerfgesellschaft und übermäßiger Konsum. Es liegt auf der Hand, dass wir so auf immer größer werdendem Fuße leben, dass also unser Ökologischer Fußabdruck wächst. Die Dresdner Band Paisley unterstützt uns mit ihrem Song „More Time“. Dieser Spot wurde erstmals am 14. Juli 2017 bei den Filmnächten Chemnitz auf der großen Leinwand gezeigt.

Tischlein, teile Dich – Siegeridee Leipzig (von der Stiftung „Ecken wecken“): 120 Personen sollen an zwei Tische passen? Geht nicht! Geht wohl… durch Teilen. Am 08. Juli 2017, einem zeitweise regnerischen aber ansonsten sonnigen und fröhlichen Tagn wurde auf dem Bürgerbahnhof Plagwitz in Leipzig der dritte Siegerspot des Jahres gedreht. Unglaublich viele gemeinnützige Vereine, Initiativen und engagierte einzelne Personen haben mit Freude ihre Leidenschaften – wie Zeichnen, Feuer löschen, Zirkus und viele mehr – vor der Kamera mit uns geteilt. Mit ihrer in der Realität praktizierten Idee, Biertische als Symbol für das Teilen zu nutzen, konnte die Stiftung „Ecken wecken“ unsere Jury überzeugen. Der fertige Spot zeigt, dass Teilen nicht nur nachhaltig Ressourcen schont, sondern auch Spaß macht und unterschiedliche Menschen zusammenbringen kann. Untermalt wird der Spot vom Lied „Britchka“ der Band Balinka. Seine Premiere feierte er am 11. August 2017 bei den Classic Open Leipzig vor großem Publikum.

Filmdreh

In bewährter Weise wurden die durch unsere Jury ausgewählten Ideen mit Hilfe des Potsdamer Regisseurs Thomas Frick und der Dresdner Produktionsfirma ravir film GbR, sowie vielen freiwilligen Engagierten professionell verfilmt. In jeder Projektstadt hatten wir, nach einem Vorbereitungstag, gemeinsam mit Regisseur und Produktionsteam, einen intensiven Drehtag. Mit fleißigen Helfer*innen wurden in kürzester Zeit unheimlich viele Ressourcen bewegt und Requisiten, Drehmaterial und Drehorte aufgetan, transportiert, gestaltet und eingesetzt. Ob es – in Dresden – hieß, die Regale im Grüntal leer zu räumen, oder – in Chemnitz – möglichst steril im Operationssaal zu filmen, oder – in Leipzig – möglichst viele verschiedene Akteure organisatorisch unter einen Hut zu bekommen, es gab zahlreiche Aufgaben zu bewältigen, um reibungslose Drehabläufe zu gewährleisten. Ziel war es, einen professionellen Kinospot zu produzieren. Spaß an der gemeinsamen Arbeit und Dankbarkeit für die großartige Unterstützung kamen jedoch nie zu kurz. Wir revanchierten uns z. B. wieder bei allen Helfer*innen und Darsteller*innen, die ehrenamtlich dabei waren, mit leckerem Catering aus geretteten und geteilten Lebensmitteln.

Und was kannst Du tun?

Teile, was Du hast, mit Freund*innen, Nachbar*innen, Kolleg*innen und anderen, vor allem, wenn diese Sachen nur kurze Zeit benötigt werden! So müsst Ihr nicht immer alles neu kaufen. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern auch Platz und Geld. Das geht sogar mit dem liebsten Statussymbol der Deutschen, dem Auto, über Carsharing-Angebote. Oder Du teilst in Coworking-Gemeinschaften nicht nur den Raum, sondern auch Dein Wissen mit den Anderen in der Bürogemeinschaft und schaffst so wertvolle Synergieeffekte.

Repariere Kaputtgegangenes soweit es möglich ist! Das schont nicht nur Ressourcen, sondern Du lernst auch noch etwas dabei. Kannst Du es nicht selbst reparieren, lass es reparieren! Dabei helfen Dir nicht nur kommerzielle Dienstleister, sondern bspw. auch Selbsthilfewerkstätten, Repair Cafes oder Fab-Labs, also offene Werkstätten.

Tausche oder Verschenke Sachen, für die Du keine Verwendung mehr hast, jemand anderes freut sich mit Sicherheit darüber! Nutzen kannst Du dafür u. a. Facebook-Gruppen in Deiner Stadt, Umsonstläden, Sozialkaufhäuser oder Foodsharing.

Baue und Bastle selber! Nutze alte Sachen, die Du nicht mehr brauchst. Nähe Dir z. B. aus abgetragenen Jeans und eine coole neue Handytasche. So hast Du ein Unikat, das kein*e andere*r hat und jede Menge Spaß daran, etwas mit Deinen eigenen Händen zu erschaffen. Upcyclen kannst Du nicht nur alte Klamotten, sondern alle Sachen, die viel zu schnell als „Müll“ abgestempelt werden.

Konsumiere/Kaufe weniger! Kaufe nur Sachen, die Du wirklich brauchst und spare so auch noch bares Geld.

Welche Angebote Du in Deiner Stadt nutzen kannst, findest Du hier:

DRESDEN (Vollbildanzeige)

CHEMNITZ (Vollbildanzeige)

LEIPZIG (Vollbildanzeige)

Darüber hinaus gibt es viele verschiedene Sharingangebote, deren Reichweiten überregional bzw. sogar international sind. Sie werden zumeist über das Internet organisiert. Private Reiseunterkünfte finden und Einheimische kennenlernen kann man z. B. bei BeWelcome oder Couchsurfing. Auch Mitfahrgelegenheiten findest Du z. B. bei BlaBlaCar oder gleich (D)ein Auto für einen Tag bei snappcar. Tauschbörsen gibt es verschiedenartige, allgemeine und auf bestimmte Güter spezialisierte:  z. B. Tauschticket für alles mögliche und für Samen – wichtig für Gemeinschaftsgärtner*innen – z. B. Saatgut-Tauschen. Du kannst mit den Stickern von Pumpipumpe auch an Deinem Briefkasten sichtbar machen, was Du gerne an Deine Nachbar*innen verleihst. Diese Sticker gibt’s bei uns im Sukuma-Büro.

Unser herzlichster Dank geht an:

In Dresden danken wir:

In Chemnitz bedanken wir uns bei:

Unser Dank in Leipzig geht an: