Eine bodenlose Frechheit

Boden ist…

(CC) USDA NRCS

… die Grundlage für unsere Nahrung und für unser Leben, denn Millionen von Mikroorganismen bauen im Boden totes Material ab und recyceln Nährstoffe.
… sehr alt, denn die Entstehung von 10 cm fruchtbarer Humusdecke dauert bis zu 2000 Jahre.
… wichtiger CO2– und Wasserspeicher und somit essentiell für den Klimaschutz.
… unser Zuhause, denn unsere Häuser errichten wir auf Grund und Boden.
… prägender Teil unserer Geschichte, Politik und Kultur. Der Besitz von Land war stets mit traditionellen Werten und gesellschaftlichem Status verbunden.

Dennoch ist Boden durch unseren sorglosen Umgang mit ihm extrem gefährdet: Wir verschmutzen ihn durch unangepasste Düngung, Industrie- und städtische Abfälle sowie giftige Pflanzenschutzmittel. Oder wir zerstören die Bodenstruktur durch Versiegelung beim Städte- und Straßenbau und vernichten die schützende Vegetationsdecke durch Abholzung, Brandrodung und Überweidung.

Wertvoller Dreck

(CC) Ken Douglas

Die globale Wirtschaft wächst unaufhörlich und mit ihr der massive Abbau von wertvollen Ressourcen aus unseren Böden. Rohstoffe wie Tantal, Kobalt oder Rhodium werden in den meisten technischen Produkten wie Smartphones, Flachbildschirmen oder Katalysatoren verbaut. Bis zu 20 Kilogramm Elektroschrott produziert jeder EU-Bürger jährlich, der in großem Umfang illegal aus der EU exportiert und häufig in Ländern des globalen Südens nicht sachgerecht recycelt wird. Eine Vielzahl an brauchbaren wertvollen Rohstoffen geht so verloren und Menschen, Umwelt und Böden werden vergiftet. Des Weiteren warnen Umweltschutzorganisationen mit Slogans wie „Keep the oil in the soil“ – oder „Leave the coal in the hole“ vor massiver Erderwärmung, wenn weiterhin fossile Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Gas zur Energieversorgung aus dem Boden gewonnen werden. Leidtragende sind die sogenannten Rohstoffländer des globalen Südens. Schwere Menschenrechtsverletzungen, Umweltschäden, Destabilisierung der lokalen Wirtschaft bis hin zu Kriegen um Böden und Flucht vor Dürre oder Vertreibung gehören zu den vielfältigen Problemen, welche dieses Themenfeld umgeben.

Wir essen von fremden Tellern

(CC) Dominik Moser

Der globale „virtuelle Landverbrauch“, also die Fläche, die jeder Einzelne zum Anbau der von ihm konsumierten Güter benötigt, ist ungerecht verteilt. Die gegenwärtig etwa 7,5 Mrd. Menschen auf der Erde nutzen rund 1,4 Mrd. Hektar Ackerfläche, also stünden rein rechnerisch bei einer gerechten Verteilung jedem Menschen knapp 0,2 Hektar zur Verfügung. Tatsächlich benötigt allein jeder EU-Bürger circa 1,3 Hektar Land im Jahr. Die Ungleichheit verschärfend kommt die Verknappung fruchtbarer Böden bei steigender Güternachfrage hinzu. Etwa alle 20 Minuten wird 1 Hektar fruchtbarer Boden durch die fortschreitende Urbanisierung versiegelt bzw. verschlechtert sich die Bodenqualität durch Erosion, Rohstoffabbau oder falsche Bewirtschaftung. So gehen jedes Jahr 1000 Quadratkilometer fruchtbarer Boden verloren – eine Fläche von der Größe der Stadt Berlin. In Summe hat Europa nicht genug Boden für den eigenen Konsum, sondern ist abhängig von Importen aus anderen Ländern. Deutschland bspw. belegt über 5,5 Millionen Hektar Land vor allem in Ländern des globalen Südens, wobei vor allem Sojaimporte für die Fleischproduktion als auch der der Anbau von Raps- und Palmöl (u.a. für Biotreibstoffe) die größten Flächen benötigen.

Die Gier nach Land

(CC) Kamikazekyle10

Landgrabbing steht für die oft auch illegitime Aneignung von Land und insbesondere für den schnellen Erwerb von Land in Entwicklungs- und Schwellenländern durch internationale Investoren. Der immer größer werdende Bedarf an Land um die steigende Nachfrage nach z.B. Futter-, Nahrungsmitteln und Biosprit zu sichern, führt dazu, dass wertvoller Agrarboden aufgekauft wird, ohne dass dabei auf die Rechte der Landbevölkerung geachtet wird. Die Intransparenz der Geschäfte, die nicht nur von ausländischen/westlichen Investoren ausgehen, sondern auch national in den Regionen verhandelt werden, erschweren es, das Ausmaß des Landgrabbing genau zu bestimmen. Sicher ist, dass die Dimensionen der Landkäufe gigantisch sind: So wurden Schätzungen zufolge zwischen 2006 und 2009 etwa 50 Millionen Hektar Land in Afrika, Asien und Lateinamerika an ausländische Investoren verkauft oder auf mehrere Jahrzehnte verpachtet. Momentan sollen Kaufverhandlungen über 10 bis 30 Prozent des weltweit verfügbaren Ackerlandes laufen.

Grund und Boden

(CC) Stuart Rankin

Landnutzungsrechte haben eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung. Sie befähigen Menschen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und tragen zur Ernährungssicherheit bei. Gesicherte Nutzungsrechte stellen einen Anreiz für ein nachhaltiges Ressourcenmanagement dar und fördern inklusive und gerechte Gesellschaften sowie bestehende soziale Wertsysteme. Dabei bezeichnet Landrecht, neben individuellen, privaten auf einem Landmarkt handelbaren Landtiteln, auch traditionelle Ansprüche und Gewohnheitsrechte. In westlichen Staaten wurden Landrechte in einem lang-andauernden Prozess weitestgehend gesichert und sind historisch mit anderen völkerrechtlichen Errungenschaften verknüpft. In anderen Teilen der Erde sind Eigentums- und Nutzungsrechte der lokalen Bevölkerung noch nicht ausreichend geschützt. Auch wenn Abkommen, wie die historisch bedeutsamen „Freiwilligen Leitlinien für die verantwortungsvolle Verwaltung von Boden- und Landnutzungsrechten, Fischgründen und Wäldern“ der Vereinten Nationen die Beschneidung der traditionellen Nutzungsrechte zu verhindern suchen, kommt es weltweit zu zahlreichen Missachtungen von Landrechten. Bspw. fordern Abgeordnete in Brasilien – trotz des durch die Verfassung garantierten Rechts auf Landnutzung – die massive Einschränkung der indigenen Landrechte, um u.a. indigenes Land für den Bau von Militäreinrichtungen, Staudämmen, Bergwerken oder Industrieprojekten zu nutzen. Daher fordern Menschenrechtler die Legalisierung tradierter Landrechte, den generellen Zugang zu Land und ein Ende von Vertreibungen.

Böden in der Stadt

(CC) Freaktography

Laut UN-Prognosen werden bis 2050 etwa 2/3 der Weltbevölkerung in urbanen Räumen leben, denn im Zuge der neuen Landflucht zieht es immer mehr Menschen in die Städte. Mit der zunehmenden Urbanisierung wächst die Belastung für die Böden und für die Stadt der Zukunft entstehen große Herausforderungen. Es müssen Konzepte gegen den zunehmenden Trend zur Versiegelung gefunden werden, denn allein in Deutschland werden täglich Bodenflächen von einer Größe von 44 Fußballfeldern versiegelt. Auch nachhaltige Mobilität wird immer dringlicher, denn aufgrund des Klimawandels sollte die Stadt der Zukunft emissionsfrei sein. Die Stadt muss ein gesunder Lebensraum für alle ihre BewohnerInnen werden, denn Stadtböden sind wie die Böden auf Äckern, Wiesen und in Wäldern Teil der globalen Bodendecke und müssen wichtige Funktionen übernehmen. Die Herausforderungen, aber auch die Erfolge solcher Vorhaben zeigen exemplarisch das Projekt zur Sanierung der Altablagerung auf der Flughafenkippe und andere Beispiele der Altlastenbehandlung in Chemnitz.

Was kannst Du tun?

(CC) Captain.Orange

Ökologischer Landbau stärkt die Bodenorganismen und verbessert langfristig die Bodenfruchtbarkeit → Bio essen!

Der Anbau von Futtermitteln für die Tierproduktion konkurriert mit dem Anbau von Nahrungsmitteln um Landfläche. Eine Reduktion des Fleischkonsums trägt erheblich zu Natur-, Boden- und Klimaschutz bei → Weniger Fleisch und tierische Produkte essen!

Unser persönlicher „virtueller Landverbrauch“ steigt durch den Import von Bedarfsgütern um ein Vielfaches → Regionale und saisonale Produkte konsumieren!

Aktuell werden von jedem Einwohner Deutschlands pro Jahr 82 kg Lebensmittel weggeworfen, für deren Herstellung Fläche und Ressourcen benötigt wurden → Weniger verbrauchen und nichts verschwenden!

Insbesondere Länder mit schrumpfender Bevölkerung (so wie Deutschland) sollten es vermeiden, weiter Böden zu versiegeln → Nicht neu bauen (Häuser und Straßen)!

Im Jahr 2050 werden 2/3 aller Menschen in Städten leben. Der Schutz natürlicher Böden sowie die vielfältige Nutzung unversiegelter Flächen sollte daher von großer Bedeutung für Stadtplanung und -gestaltung sein → Stadtbrachen und Hinterhöfe als Gärten und Felder nutzen!

Gemeinschaftsgärten in Deiner Stadt findest Du hier:
Gartennetzwerk Dresden
Gärten Leipzig
Urbane Gärten Chemnitz

Außerdem kannst Du Dich beim Grünlandprojekt um die Vielfalt der Chemnitzer Stadtwiesen bemühen.

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Weitere Kampagnen: website_stamp_l_sos_de boden-grund-zum-leben LOGO_IYS_ge_Print

Noch mehr Hintergrundwissen findest Du im Bodenatlas der Heinrich-Böll-Stiftung oder bei den Sächsisch-Thüringischen Bodenschutztagen.